Für den Perry-Rhodan-Report 591, der in Perry Rhodan 3356 erschien, habe ich einen Text geschrieben welche verschlungen Wege dazu geführt haben, dass ich unterdessen doch recht viel im Perryversum herumwusele. Hier der komplette Artikel (bei den Abbildungen bin ich ein wenig von der ursprünglichen Veröffentlichung abgewichen):
Mein Weg zu Perry
Von Schwarzen Löchern, Hörbüchern, Weihnachtskarten und Kindercomics
Der Berliner Illustrator und Grafiker Michael Vogt hat schon viele Zeichnungen für PERRY RHODAN angefertigt. Von ihm stammen seit sage und schreibe zehn Jahren die »Perrys Tooniversum«-Cartoons im PERRY RHODAN-Report und natürlich der superniedliche Kindercomic »Der kleine Perry«. Dabei kam Michael erst spät zu unserer Serie. Hier schildert er, wie es dazu gekommen ist.
Faszinierende Science-Fiction-Universen
Es muss so 1982 gewesen sein, als ich mir mein erstes PERRY RHODAN-Heft gekauft habe. Wenige Jahre vorher gab es einen Film, der sich damals noch »Krieg der Sterne« nannte, meine bereits vorhandene Liebe zur Science Fiction wurde danach zu lodernder Leidenschaft. Seitdem habe ich alles verschlungen, was ich zum Thema in die Hände bekommen konnte: Bücher, Filme, Comics und Magazine. Und so geriet mir schließlich auch die 5. Auflage von PERRY RHODAN in die Finger. Die größte SF-Serie von Anfang an verfolgen zu können, schien eine gute Möglichkeit, in dieses Universum einzusteigen.
Es war allerdings ein kurzes Vergnügen, ich habe nur so die ersten zehn oder zwanzig Hefte geschafft, bevor ich – ehrlich gesagt – die Lust verlor. Ich hatte zuvor bereits die Romanwelten von Heinlein, Simak, van Vogt (nicht nur wegen des Namens, zwinker!) und auch Foster, Stableford und Niven/Pournelle für mich entdeckt, und deren Universen erschienen mir im Vergleich faszinierender. Und auf der Jugendbuch-Schiene gab es natürlich den wunderbaren Nikolai von Michalewsky, der unter dem Pseudonym Mark Brandis ganz großartige Weltraumabenteuer geschrieben hat. Die hatten mich so sehr in ihren Bann gezogen, dass ich Jahre später eine ganze Reihe seiner Bücher als Comics adaptierte. Doch das ist eine andere Geschichte.
Drolliger Mausbiber
Auf dem Comic-Salon Erlangen hatte ich schließlich im Jahr 2006 den nächsten Kontakt mit dem Perryversum: Maikel Das, frischer Organisator der Hamburger Comicschmiede Alligator Farm, fragte mich im Biergarten vor dem Festival, ob ich nicht Zeichner in Berlin kenne würde, die gerne PERRY-Comics zeichnen würden. Als ich ihm ein paar Wochen später sagen musste, das ich keine Interessierten gefunden hätte, rekrutierte er stattdessen einfach mich! Als Belohnung bekam ich dafür ein Skript, das es in sich hatte: Eine nackte Frau läuft durch ein menschenleeres Paris. Okay, ich war an Bord! Es war ein großer Spaß, diesen Comic zu zeichnen und ein wenig aus der Welt von PERRY RHODAN zu erfahren. (Diese phantastische Geschichte hatte sich übrigens Olaf Brill ausgedacht.)
Etwas später, zum fünfzigsten Jubiläum von PERRY RHODAN, gab es ein neues cooles Skript von Olaf: Er versetzte die Origin-Geschichte des Terraners einfach fünfzig Jahre zurück, also ins Jahr 1911. Steampunk, preußische Rittmeister, Monster auf der Venus und arkonidische Prinzessinnen – natürlich musste ich das in Bilder umsetzen! In beiden Comics kam übrigens der Mausbiber Gucky vor – das heißt, in letzterem nannte Olaf ihn Drolli – weil er so „drollig guckt.“

Die erste Seite der ersten Zusammenarbeit mit Olaf Brill.
Wenig seltsame Verbindung
Damals habe ich auch für die STELLARIS-Kurzgeschichten ein paar Titelbilder illustriert. Die jeweiligen Geschichten und die Hintergründe waren mir meist unbekannt, doch Maikel Das hatte auch das im Griff und sandte sehr präzise Beschreibungen der gewünschten Motive und eine Menge Referenzbilder. Für mich waren das willkommene kleine Auftragsarbeiten, an denen ich etwas ausprobieren und experimentieren konnte.
Wie sich herausstellte, war der damalige Marketingleiter von PERRY RHODAN, Klaus Bollhöfener, ein Fan meiner Arbeiten, und er ließ 2010 oder 2011 über Maikel Das anfragen, ob ich nicht einen regelmäßigen einseitigen Comic für das von ihm betreute Magazin »phantastisch!« machen wollte. Ich hatte recht schnell eine gewisse Vorstellung, wie das aussehen könnte: Kleine Geschichten, vielleicht um einen Arbeiter oder Hausmeister, irgendwo auf einem Raumschiff, vielleicht ein Roboter, dessen Alltag für uns pure Science Fiction, für ihn aber nur öde Routine ist. Ich erinnerte mich an Olaf und seine tollen Skripte und fragte ihn, ob er Lust hätte, als Autor mit mir an diesen Comics zu arbeiten: So entstand »Ein seltsamer Tag«. Wenig seltsam war, dass sich so über Klaus Bollhöfener eine neue Verbindung zu PERRY RHODAN ergab.

Stellaris-Titelbild zu einer Story von Olaf Brill.
Perrys Tooniversum
2015 erschien unter dem Titel »Perrys Tooniversum« mein erster Cartoon im PERRY RHODAN-Report. Klaus Bollhöfener hatte mich gefragt, ob ich nicht eine lustige Version der Hauptfigur machen könnte. Klar, konnte ich – auch wenn ich immer noch nicht viel über sie wusste.
Ich wählte einen einfachen Weg, durch den, dachte ich mir, dieser Mangel vielleicht nicht so auffallen würde: Ich machte aus dem Helden Perry Rhodan einen netten, aber oft trotteligen und ignoranten Charakter, der von Gucky immer wieder mal zur Ordnung gerufen werden muss. Mit den beiden und einigen anderen Figuren, die ich hinzuzeichnete, tauchte ich erneut ein in das Perryversum – besser gesagt in Perrys Tooniversum.
Eine der Figuren, auf die ich übrigens besonders stolz bin, ist Marvin, das Schwarze Loch, der in Episode 0007b (PR 2956/Report 519) an Bord von Perrys Raumer kam und seitdem immer wieder mit seiner anziehenden Art auffiel. Vielleicht findet er ja mal seinen Weg in die Hauptreihe (zwinker!).
Seitdem habe ich etwa vierzig PERRY-Cartoons gezeichnet, in denen Aliens wie Selfianer oder Sextoyaner vorkamen, in denen Perry Pannen hat, von Zitteraaliens geschockt wird und für diplomatische Katastrophen sorgt. Darin wird immer wieder auch die »menschliche« Seite der Weltraumgondelei beleuchtet. Ich kann kaum glauben, dass ich diese Cartoons bereits seit 10 Jahren zeichne!

Der erste Cartoon-Versuch: Der damalige Redakteur Klaus Bollhöfener hat den leider abgelehnt, „niemand könne etwas mit dem Begriff „Twerking“ anfangen.
Doch noch erwischt
Unterdessen hatte mein Freund Olaf Brill angefangen, für PERRY RHODAN zu schreiben: Er startete in einer der Miniserien, genauer in PERRY RHODAN-Terminus – und natürlich musste ich die lesen. Oder besser: hören! Es gab das Teil ja auch als Hörbuch. Als Olaf an der nächsten Miniserie schrieb, blieb ich dabei und entdeckte auch einige ältere Miniserien. Jetzt hatte mich PERRY doch noch erwischt, ich wurde zum Hörleser!
Die Hauptreihe erschien mir immer noch zu wuchtig, deswegen trieb mich meine Neugier als nächstes zu PERRY RHODAN NEO. Beim Zeichnen kann man den Romanen ganz wunderbar nebenbei lauschen, aktuell bin ich so bei etwa Ausgabe 100 (ich höre zwischendrin auch noch andere Hörbücher, gebe ich gerne zu!). Zur Hauptreihe hat mich dann natürlich Olafs Einstieg dort gebracht. Ich glaube, ich war einer der Ersten, denen er erzählte, dass er Band 3315 schreiben dürfe – im neuen PHOENIX-Zyklus von Ben Calvin Hary. Die Hefte lese ich tatsächlich nun ganz traditionell auf Papier (wenn ich auch etwas hinterherhinke).
Weihnachtskarten und kleiner Perry
Noch vor den Cartoons durfte ich zum ersten Mal eine PERRY-Weihnachtskarte gestalten, die von der Redaktion zur passenden Zeit an Mitarbeiter verschickt wird. Hierfür musste ich realistischer zeichnen, trotzdem habe ich immer eher humorige Motive geschaffen. Insgesamt habe ich bisher zehn Illustrationen zu diesem festlichen Anlass in der weit entfernten PERRY-Zukunft gezeichnet.

Die erste Weihnachtskarte – Skizze und fertige Illustration im Vergleich.
Irgendwann – auch durch Anregung von Klaus Bollhöfener – kam dann die Idee zu einem PERRY-Kindercomic auf. Seit 2012 habe ich einige Kinderbücher illustriert und mehrere Comic-Alben veröffentlicht – das zu kombinieren schien eine gute Idee. Eine noch bessere war, natürlich wieder Olaf Brill dazuzuholen: Super Comic-Autor #und# PERRY-Experte, da konnte nichts schiefgehen! Mit einem Exposé und ein paar Probeseiten stellten wir das Projekt der PERRY RHODAN-Redaktion vor. Unser Dreh »Wie wäre es, wenn Perry noch ein Kind gewesen wäre, wenn er auf Crest und Thora getroffen wäre?« kam dort gut an – und wir rannten auch bei mehreren großen deutschen Comicverlagen offene Türen ein. Schließlich landeten wir beim Carlsen-Verlag und konnten in drei Comicalben neue Geschichten aus dem Webstoff des Perryversums spinnen (siehe PRR 569 und 580). So kann nun eine neue Generation von Lesern Perry Rhodan, Thora, Reginald Bull, Crest, Chaktor und Icho Tolot kennenlernen! Auf unseren vielen Lesungen und Signierstunden trafen wir viele neue junge Fans, die durch den kleinen Perry die PERRY RHODAN-Welt entdeckten. Wer weiß, vielleicht sieht einer von denen in fünf oder zehn Jahren mal ein PERRY RHODAN-Heft in einem Kiosk und denkt an die Comics, die er oder sie als Kind so gern gelesen hat? »Der kleine Perry« ist unterdessen in Russland und Rumänien erschienen, demnächst wird es eine türkische Ausgabe geben.

Rumänische Ausgabe vom „kleinen Perry“.
Vielleicht ist es gut, dass ich so spät zu PERRY RHODAN gekommen bin und jetzt die Möglichkeit habe, andere mit auf meine Entdeckungsreise zu nehmen. Gemeinsam stoßen wir ein paar neue Türen auf, sei es in die Welt der Kinderbücher oder in Länder, in denen PERRY RHODAN bisher unbekannt war. Ich habe jedenfalls große Lust darauf!