Im November 2024, anlässlich eines Besuchs in Nürnberg, interviewte mich der Super-Perry-Rhodan-Fan und fröhliche Franke Andy Schmid für das Fan-Magazin Paradise. Das Interview erschien in der Ausgabe 126 Ende August 2025, das Heft mit vielen weiteren interessanten Beiträgen ist hier erhältlich.
Mit freundlicher Genehmigung der Macher von Paradise gibts das komplette Gespräch jetzt auch hier zu lesen:
Andy Schmid (AS): Hallo Michael, du hast dir mittlerweile einen guten Namen im PERRY RHODAN-Fandom gemacht, als Zeichner des Werks „Der kleine Perry“, als Mitarbeiter der Alligator-Comics, den Cartoons im PR-Report oder den Comicstrips im Fanzine „Phantastisch“.
Möchtest Du Dich mal bitte kurz mit eigenen Worten vorstellen.
Michael Vogt (MV): Ha, die peinliche Selbstvorstellung! Ich mach es kurz: Berliner Grafiker, Comiczeichner und -Autor und Illustrator. Lebe mit meiner Frau und meinem Hund im Süden der Stadt, wo ich auch groß geworden bin; zum Ausgleich reise ich im Kopf und auf dem Papier gerne durchs All.
AS: Du hast sicherlich in deiner Jugend gerne Comics gelesen? Welches waren deine Lieblingsserien und Helden und welche Comic-Künstler haben dich beeinflusst?
MV: Da könnte ich echt lange drüber reden! Angefangen hat’s ganz früh mit Disney Comics (Donald war die erste Comicfigur, die ich gezeichnet habe), dann Asterix, und recht früh auch das MAD-Magazin, bei dem mich zeichnerisch besonders Mort Drucker (der Zeichner der Filmparodien) fasziniert hat. Von Clever & Smart-Zeichner Ibañez habe ich vieles übernommen. Dann kamen aber recht flott auch Comics wie „Valerian & Veronique“ (immer noch meine absolute Lieblingsserie), „John Difool“ und praktisch alles von Moebius hinzu. Aber auch Hermann Huppen, Hergé, Dave Gibbons oder Mike Mignola und Jordi Bernet haben mich nachhaltig beeinflusst. Ich entdecke immer wieder Zeichner*innen, die ich spannend finde oder die zeichnerische Lösungen, Stile oder Eindrücke erfinden, die ich versuche, in meine Arbeit aufzunehmen.
AS: Hast Du einen festen Alltagsrhythmus oder arbeitest du wie dir beliebt bzw. es der Tag bringt. Stellst du dir da selbst ein gewisses Arbeitspensum? Wie lange brauchst Du z. B. im Durchschnitt, um eine Comic-Seite zu zeichnen?
MV: Ja, es gibt einen groben Rhythmus. Normalerweise fange ich als Spätaufsteher so gegen 11 oder 12 Uhr an zu arbeiten. Eine wichtige Pause ist der Spaziergang mit dem Hund zwischendurch, der dafür sorgt, dass ich ein wenig Sonne sehe, und danach gehts weiter bis zum Abendessen. Je nachdem wie viel zu tun ist, kann es dann noch bis 22 Uhr oder bis in den Anfang des nächsten Tages weitergehen.
Die Arbeitszeit an einer Comicseite kann stark variieren, je nach Stil und dem, was auf der Seite gezeigt wird. Aufwändige Seiten können bis zur Tusche (das ist der schwarze Strich, nicht die Farbe!) schon mal zwei, drei Tage dauern. Bei einfacheren Seiten im cartoonigen Stil schaffe ich manchmal zwei oder wenn es sehr gut läuft, auch drei an einem Tag. Dann muss ich aber richtig im „Flow“ sein.

Hündin Mara beim herbstlichen Spaziergang.
AS: Wie planst du dabei den Aufbau eines Comics. Sprichst du dich da genau mit dem entsprechenden Autor ab, was auf Seite 1, 2, 3 etc. zusehen sein soll oder hast du da vollkommen freie Hand?
MV: Wenn ich nicht selbst schreibe, bekomme ich ein Skript von einem Autoren – bei „Ein seltsamer Tag“ oder natürlich beim „Kleinen Perry“ stammt das aus der Feder von Olaf Brill. Der beschreibt recht genau, wie er sich den Aufbau der Story, jeder Seite und jedes Panels vorstellt. Wobei ich immer die Möglichkeit habe, das nach meinem Gusto zu interpretieren und gegebenenfalls zu ändern. Das spreche ich aber immer mit ihm ab: Olaf bekommt praktisch alle Zwischenschritte vom Layout bis zur fertigen Seite zu sehen. Ich sende ihm oft Screenshots und dann chatten wir darüber.
AS: Wie würdest du deinen Zeichenstil beschreiben?
MV: Uff. Ich arbeite ja gerne in verschiedenen Stilen. Aber insgesamt verbindet alle meine Zeichnungen eine liebe zum klaren Strich. Wenn es eine Kategorisierung sein soll, würde ich „franko-belgisch“ vorschlagen.
AS: Welche Materialien verwendest Du beim Zeichnen? Ist bei Dir noch alles per Hand oder findet der PC hier auch seinen Einsatz?
MV: Ich arbeite seit etwa 15, 16 Jahren fast komplett am Mac. Das hat enorme Vorteile für meinen Arbeitsfluss, weil Fehler schneller korrigierbar sind, um ein Beispiel zu nennen. Ein weiteres wäre, dass umständliche Arbeitsschritte vereinfacht werden. Vom Ergebnis ist das für mich von der handgezeichneten Arbeit nicht oder sagen wir kaum unterscheidbar. Ich arbeite mit einem Wacom Cintiq – ein Monitor, auf dem ich direkt mit einem Stift zeichnen kann. In welchem Winkel ich diesen Stift halte, wie schnell oder langsam oder mit welchen Druck ich ihn über den Monitor führe: Das alles nimmt das Programm, in dem ich zeichne (das heißt ClipStudioPaint und ist speziell zum Zeichnen von Comics entwickelt worden) auf, wodurch sich das Zeichnen sehr ähnlich wie auf Papier anfühlt.

Bei Signierstunden wird aber weiterhin analog gezeichnet! Foto: Grober Unfug
AS: Was können deiner Meinung nach Comics, Cartoons und Illustrationen, was andere Medien nicht können?
MV: Ich glaube, das Erstaunlichste an Comics ist, dass der Leser und die Leserin selber und praktisch unbemerkt die gedankliche Energie aufwenden, das Gezeichnete lebendig werden zu lassen. In dem Moment zwischen zwei Panels passiert so viel, das letztlich nur beim Lesen miteinander verbunden wird.
Als Zeichner freue ich mich darüber, dass ich ganze Welten komplett erschaffen kann. Vergliche man das mit der Arbeit an einem Film, bin ich Set-Designer, Casting-Director, Maskenbildner, was-weiß-ich und natürlich auch Regisseur. Und es freut mich sehr, dass ich Leser*innen auf diesen Trip mitnehmen kann.
AS: Wir kennen dich hauptsächlich aus dem Umfeld der PERRY RHODAN-Serie. Welche (zeichnerischen) Projekte gab es vor PERRY RHODAN?
MV: Comics zeichne ich schon eine ganze Weile, meist waren das eher kürzere Sachen etwa für die „Gespenster Geschichten“ von BASTEI oder das „MAD“-Magazin von DINO/PANINI. Mein größtes Projekt bisher ist die Comicumsetzung von „MARK BRANDIS“ – witzigerweise der zweitgrößte deutsche SF-Franchise. Ich habe die ersten vier Romane der Buchreihe als Comic-Alben adaptiert. Die Comics sind von 2016 bis 2019 beim PANINI-Verlag erschienen, als Nachklang habe ich noch drei Kurzgeschichten umgesetzt, die ebenfalls dort erschienen sind.
AS: Bist Du selbst PERRY RHODAN-Leser? Wie kamst Du zu der Serie, was verbindet Dich mit ihr?
MV: Ich habe irgendwann in den 80ern mal den Einstieg in das Perryversum versucht, bin aber nicht über die ersten 10 oder 20 Romane der damaligen fünften Auflage hinausgekommen. Mein Herz schlug unter anderem stärker für den bereits vorhin erwähnten „MARK BRANDIS“. Über ein paar Umwege bin ich dann in den letzten Jahren doch wieder bei PERRY gelandet, hauptsächlich, weil Olaf Brill anfing, bei den Mini-Serien mitzuschreiben. Ich habe inzwischen die ersten hundert NEO-Romane gehört (das funktioniert wunderbar beim Zeichnen) und mit der 3300 bin ich in die Hauptreihe eingestiegen zum Hereinschnuppern. Diesen gigantischen Kosmos, der durch so viele Autor*innen in den vergangenen sechzig Jahren geschaffen worden ist, finde ich recht faszinierend. Ich kenne ja nur einen Bruchteil davon, finde es aber spannend, gerade weil das so eine ausufernde Saga ist, dass es diverse Ansatzpunkte und Charaktere gibt, mit denen man Spaß haben kann.
AS: Wie kam es zur Zusammenarbeit und Freundschaft mit Olaf Brill als Autor eurer Comics.
MV: Ui! Lange Geschichte: PERRY RHODAN ist daran schuld! Oder Maikel Das. Den kannte ich schon eine halbe Ewigkeit, bevor er die Perry-Comics in der Alligatorfarm redaktionell betreute. Jedenfalls hat er mich mal auf dem Comic-Salon Erlangen „geschanghait“, damit ich eine Kurzgeschichte für eine Ausgabe illustriere – und das Skript dieser Geschichte stammte von Olaf. Ich fand das spannend zu zeichnen (es ging um eine nackte Frau, die durch ein menschenleeres Paris spaziert) also habe ich zugesagt. Als ein weiteres Skript von Olaf zum damals 50jährigem Jubiläum von PERRY RHODAN vorlag, dass die Original-Geschichte ins Jahr 1911 verlegte, war ich wieder dabei.
Dann wurde ich gefragt, ob ich regelmäßige One-Pager für das Magazin „phantastisch!“ machen wolle und ich holte Olaf dazu, weil die Zusammenarbeit mit ihm so viel Spaß gemacht hatte und ich seine Ideen sehr zu schätzen wusste (und immer noch weiß). Und so entstand unserer Reihe „Ein seltsamer Tag“, in der ein Roboter in jeder Episode ein neues kleines Abenteuer im Weltraum oder in der gigantischen schwebenden Fabrik, in der er als eine Art Hausmeister fungiert, erlebt. Wir haben seit 2011 über sechzig solcher Episoden geschaffen, die zum großen Teil als gesammeltes Album übrigens ebenfalls bei PANINI erschienen sind. Das ist dann übrigens das zweite, große Projekt, dass neben den „MARK BRANDIS“-Comics und dem „Kleinen Perry“ immer weiter läuft.
Persönlich getroffen haben Olaf und ich uns erst so 2012, aber seitdem sehen wir uns regelmäßig und stehen praktisch jeden Tag via Chat im Kontakt.
AS: Man kann dich oft auf Comic-Conventions wie dem Comic-Salon in Erlangen oder auf Lesungen treffen. Wie bereitest du dich auf solche Comic-Conventions und andere Veranstaltungen vor?
MV: Ich packe meinen Koffer und fahre los! (lacht)
Bei Conventions mache ich normalerweise ja auch nicht mehr, als das, was ich im Atelier mache: Ich zeichne. Dann zwar vor und für ein Publikum und natürlich auf Papier – aber grundsätzlich ist es dieselbe Arbeit. Schön ist natürlich, dass ich mit Leser*innen direkt quatschen kann. Lesungen sind dann schon ein etwas anderes Kaliber, da muss ich mir etwas mehr Gedanken machen und natürlich auch meine Sprechrollen ein wenig üben.

Lesung auf der Buchmesse Leipzig 2024. Foto: Sten Fink
AS: Wie wichtig ist dir der Kontakt mit Fans? Das Thema „Kritik“ ist da natürlich ein wichtiger Punkt. Bekommst du auch negative Kritiken zu deinen Arbeiten?
MV: Der Austausch mit Fans und Leser*innen ist schon wichtig und macht sehr viel Spaß. Oft gibt’s da Anregungen oder Fan-Wünsche, negative Kritik gibt’s eher weniger. Ich denke, wer„Fan“ ist, mag mein Zeugs eben, wer es nicht mag, liest es auch nicht. Die schlimmste negative Kritik habe ich mal in einem Leserbrief im ZACK-Magazin erhalten, da fand jemand einen von mir dort erschienen Comic „rattenschlecht“. Sowas härtet schon ab – abgesehen davon: Ich bin Berliner! Wenn man da nicht ein dickeres Fell hat, ist man eh verloren.
AS: Der KLEINE PERRY richtet sich nun an ein ganz spezielles Zielpublikum. Wie ist es für dich, mit einem solchen Publikum umzugehen. Da gibt es doch bestimmt eine lustige Anekdote dazu?
MV: Ich kannte das PERRY-Fandom bisher ja nicht, bin aber sehr froh, wie wohlwollend und zum allergrößten Teil positiv unser „Kleiner Perry“ aufgenommen wurde. Schön sind Momente, wenn ein über 70jähriger Fan auf uns zukommt und erzählt, dass er richtig Spaß beim Lesen des Comics hatte.
Wir haben „Perry“ allerdings so angelegt, dass jeder Mensch die Comics lesen kann, gerade auch, wenn er oder sie noch nie davon gehört hat. Und das ist ja das eigentliche Ziel – diese fantastische Figur neu und kindgerecht zu interpretieren und einer ganz neuen Generation nahezubringen.
Dazu passt diese schöne Anekdote: Auf der Buchmesse Leipzig kam ein Papa mit seiner dreijährigen Tochter zu uns, um sich ein Exemplar des Buches signieren zu lassen. Die Kleine saß neben mir auf dem Tresen und schaute zu, während ich eine Thora zeichnete. Papa fragte das Mädchen dann, was es bedeutet, dass ich meiner Figur rote Augen gemalt habe und mit piepsiger Stimme antwortete sie: „Die ist eine Arkonidin!“. Da bin ich echt geschmolzen.
AS: Vom KLEINEN PERRY erscheint nun schon die dritte Ausgabe. Ich denke, hier kann man schon von einem Erfolg in unserer heutigen Zeit sprechen, wo es wohl für jeden Comic schwierig ist, sich längere Zeit auf den Markt zu halten. Kannst Du uns schon etwas verraten, wie es weitergehen wird. Bekommen wir auch noch der KLEINE PERRY 4 bis 6?
MV: Das wird sich im Frühjahr entscheiden, dann sprechen wir mit Carlsen darüber. Für „Der kleine Perry 4″ hätten wir jedenfalls schon eine richtig gute Idee, die ich sehr gerne machen würde.
AS: Es freut mich besonders, dass der KLEINE PERRY auch als Lizenz ins Ausland verkauft wird. Die PERRY RHODAN-Serie hatte schon immer etwas Völker verbindendes. Dass gerade die erste Auslandslizenz nach Russland ging, finde ich dabei besonders toll. Das wirkt wie ein kleiner Ölzweig auf kindlicher Ebene, wo nur gegenseitige Missgunst und Hass in den Köpfen der Erwachsenen herrschen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit mit dem russischem Verlag/Verleger?
MV: Das lief komplett über die Lizenzabteilung von Carlsen, die unseren Comic auf verschiedenen Messen ausländischen Verlagen anbietet. Eine weitere Lizenz wurde inzwischen auch nach Rumänien vergeben, die Ausgabe müsste so am Anfang 2025 erscheinen.
(Anmerkung der Red.: Zu der russischen Lizenz gibt es hier einen ausführlicheren Text)
AS: Wenn du dir weitere Auslandlizenzen für den KLEINEN PERRY wünschen könntest, auf welche Länder fiele da Deine Wahl?
MV: Als Fan franko-belgischer Comics würde ich mich natürlich sehr über eine französische Ausgabe freuen. Generell finde ich ja, dass es in jedem Land „Perry“-Comics für Kinder geben sollte, aber cool wären für mich besonders auch noch Spanien, Italien und Polen.
AS: Könntest du dir auch Merchandising zum KLEINEN PERRY vorstellen, z. B. Figuren, Perrys Gesicht auf einen Schulranzen etc.?
MV: Klar! Perry-Puzzle! Perry-Trinkbecher! Kleine Perry-Figuren zum Nachspielen der Abenteuer! Wäre ein Traum!
AS: Nach dem du dir mit dem KLEINEN PERRY den Wunsch erfüllt hast, einmal einen Comic für Kinder zu zeichnen, was wäre dein nächstes Traumprojekt, das du dir gerne erfüllen würdest?
MV: Ach, Kindercomics zeichnen macht schon sehr viel Spaß, das könnte ich bis zum Umfallen weitermachen. Oder auch Kinderbücher. Aber klar, es gibt noch den einen oder anderen Stoff, den ich mir auch gut als erwachsenen Comic vorstellen könnte und gerne machen würde. Aber das verrate ich hier jedoch nicht.
AS: Nach dem du schon starke Präsenz innerhalb der PERRY RHODAN-Serie zeigst (Stellaris-Tibi, Report Cartoons) – könntest du dir da auch vorstellen, diese Mitarbeit auszubauen und sogar Innenillustrator für die Heftromanserie zu werden?
MV: Vorstellen kann ich mir eine ganze Menge! Buch- oder in diesem Fall Romanheftillustrationen sind eine sehr reizvolle Aufgabe. Bei PERRY RHODAN denke ich aber, wäre mein Stil nicht so passend. Die normalen Innenillus sind ja eher malerisch angelegt, ich arbeite lieber in einem zeichnerischen, stark linienorientierten Stil. Ich fürchte, das geht nicht so gut zusammen. Aber falls die Redaktion mal experimentierfreudig sein sollte, stehe ich natürlich gerne zur Verfügung.
AS: Wie viel von der Person MICHAEL VOGT findet man in deinen Zeichnungen? Setzt du da kleine Eastereggs auf deine Person, Familie, Freunde oder Kollegen?
MV: Ich bin einmal in der 8. Klasse sitzen geblieben, weil meine damalige Klassenlehrerin meinte, ich sei zu verspielt. Das hat mich allerdings nicht gebremst und ich bilde mir gerne ein, dass ich immer noch sehr spielerisch an meine Kunst herangehe – und dass man das auch in meinen Arbeiten sieht. Irgendjemand meinte auch mal, meinen Illustrationen wohne etwas Positives, Lebensbejahendes inne. Und wenn das so ist, dann denke ich auch, dass das aus meiner Seele stammt – also ja: Man findet viel von mir in den Zeichnungen. Darüber hinaus natürlich fließt vieles Persönliche in die Stories ein, besonders bei „Ein seltsamer Tag“. Orte, die ich besucht, Menschen, die ich kennengelernt habe und vieles mehr. Ich liebe es übrigens sehr, verschiedenen Eastereggs einzubauen, nerdige Querverweise, musikalische Zitate, Referenzen auf andere Comiczeichner und in einige Comics habe ich mich (zum Beispiel in Band 4 von „MARK BRANDIS“) meine Frau, meine Hunde, Kollegen und Freunde in Stories oder auch Titelbilder eingebaut. Ein bisschen Spaß muss ja sein!

In typischer Schreiberpose – Olaf Brill als Roboter. Ausschnitt aus dem Titelbild von phantastisch 60.

Rechts mittig sieht man Zeichner Michael Vogt, seine Frau Mel und den Familienhund als Roboter. Ausschnitt aus dem Titelbild von phantastisch 60.
AS: Gibt es einen Comic-Künstler, den du gerne einmal persönlich treffen würdest bzw. gern getroffen hättest?
MV: Ich hätte zu gerne mal länger mit Jean-Claude Mézières gequatscht, es hat leider nur mal zu einem „Bonjour“ gereicht. Generell freue ich mich immer sehr, wenn ich auf Messen oder Cons andere Zeichner*innen treffe und man – meist abends an der Bar – ein wenig ins Gespräch kommt. Das sind fast ausnahmslos sehr nette Menschen, die oft ganz fantastische Geschichten und Anekdoten zu erzählen haben.
AS: Eine unausweichliche Frage in unserer Zeit: Wie siehst du die Entwicklung der K.I.? Gerade dein Arbeitsbereich ist davon stark betroffen. Wird es deiner Ansicht nach hier zum Clash Handwerkszeichnung contra K.I. Kunstwerk kommen?
MV: Es gibt vielleicht eine Handvoll Künstler, die verantwortungsvoll mit K.I. arbeiten, ich halte diese aber für Ausnahmen. Denn meist wird K.I. dazu verwendet, um billig illustrative Elemente irgendwo einzubringen. Das sieht dann im ersten Blick recht erstaunlich aus und kann faszinieren, aber andererseits wirkt es oft auch oberflächlich, nivellierend, auf eine gewisse Art „unmenschlich“. Da fehlt oft die persönliche Note. Dann ist da noch die Frage des Urheberrechts, die sowohl beim „Lernprozess“ der K.I.s nicht ausreichend geklärt ist als auch nicht für die erstellten Werke gilt, weil Urheber nur Menschen sein können. Und von den umweltpolitischen Aspekten der energiehungrigen Rechenzentren will ich gar nicht erst anfangen. Eigentlich müsste man darüber viel mehr sagen, aber so ausführlich kann ich hier wohl nicht werden. Der „Clash“ ist schon lange da, er findet nur im Stillen statt. Ich schätze, dass es eine starke Gegenbewegung mit Rückbesinnung auf „Handgemachtes“ geben wird, so dass nicht alle Künstler*innen bei McDonalds arbeiten gehen müssen.
AS: Ich erfahre auch immer gerne etwas über die private Seite meiner Interviewpartner – sofern das für Sie ok. ist. In deinem Fall – wie entspannst du dich vom Zeichnen? Schaust du gerne TV, gehst ins Kino, spazieren? Wie gestaltest du deine Freizeit fern dem Zeichenplatz?
MV: Meinen Hund hatte ich schon erwähnt? Bestes Entspannungsmittel von allen, jeden Tag gibt’s etwas zu lachen mit dem kleinen Tierchen. Ansonsten: Ich höre gerne Hörbücher, meist beim Zeichnen, natürlich SF aber ich mag auch Krimis und Thriller sehr. Ich koche gerne (was man mir leider auch ansieht), bin ein wenig Filmfreak und schaue tatsächlich auch die eine oder andere Serie. Ich tanze gerne – Standard und Latein, wobei ich Latein deutlich mehr mag und ich liebe Lindy Hop. Das ist ein Swingtanz aus den 30ern und 40ern, der wahnsinnig Spaß macht. Und ab und zu schaffe ich es sogar, mal Comics zu lesen. 🙂
AS: Wir kommen langsam zum Ende unseres Interviews. Hier biete ich immer jedem an, einmal etwas zu schreiben, fragen oder mitzuteilen, dass du deinen Fans schon immer sagen wolltest (aber eben nie gefragt wurdest).
MV: Soll ich damit deinen Job übernehmen? (lacht) Aber meinen Fans – und ich kann manchmal kaum glauben, dass ich tatsächlich welche habe! – möchte ich nur sagen: Danke! Danke, dass ihr mit mir auf die Reise geht und meine Comics lest, dass ihr mir auf Social-Media-Seiten schreibt, meine Beiträge herzt und mich auf Messen und Cons besucht. Comiczeichnen ist wie auch Schreiben zum Beispiel ein ziemlich einsamer Beruf. Da sind die Treffen, egal ob virtuell oder real, Balsam für die Seele.
AS: Dann danke ich dir, lieber Michael, das du dir die Zeit für unsere neugierigen Fragen genommen und sie so ausführlich beantwortet hast. Wir freuen uns auf weitere schöne Zeichnungen von Dir! Alles Gute für die Zukunft!
MV: Danke Andy, für das sehr nette Gespräch. Hat mich sehr gefreut!
